Helena


Helena
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Tochter des Zeus* und der Leda* – oder der Nemesis* –, wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit noch als Kind von Theseus* geraubt, aber von ihren Brüdern, den Dioskuren*, befreit und in ihre Heimat Sparta zurückgebracht. Um verderblichen Streit unter ihren vielen Freiern von vornherein auszuschalten, empfiehlt Odysseus*, diese schwören zu lassen, sie würden dem künftigen Mann Helenas in Zukunft beistehen, falls ihm jemand seine Frau streitig mache. Daher sammeln sich, als Paris* die mittlerweile mit Menelaos* Vermählte nach Troja entführt, Helden aus ganz Griechenland, um die Schöne zurückzuholen, was nach zehn Jahren Krieg auch gelingt (Apollodor, Bibliothek III 126–129). Was Apollodor über Nemesis berichtet, klingt recht urtümlich: Um sich vor der Zudringlichkeit des Zeus zu retten, habe diese Göttin sich in eine Gans verwandelt, doch Zeus habe sie als Schwan überwältigt, worauf sie ein Ei gelegt habe, aus dem dann Helena geschlüpft sei. Eine interessante Variante der Helenasage referiert Platon im ›Phaidros‹ (243 a–b): Stesichoros, ein Lyriker des 6. Jahrhunderts v. Chr., habe in den Chor derer eingestimmt, die Helena verlästerten, und darum sein Augenlicht verloren – genau wie Homer. Gleich habe er den Grund dafür geahnt und einen Widerruf gedichtet,
in dem er erklärte, an der ganzen Entführung nach Troja sei kein wahres Wort. Als der Sophist Gorgias 427 v. Chr. seine Lobrede auf Helena hielt, konnte er auf diesen Widerruf ebenso zurückgreifen wie Euripides in seiner Tragödie ›Helena‹ (412 v. Chr.): In ihr wird die Heldin in Ägypten festgehalten, wohin sie Hermes* in Heras* Auftrag gebracht hat. Paris entführt nur ein Trugbild nach Troja, und es entbehrt nicht der Ironie, daß sich dessentwegen Griechen und Trojaner zehn Jahre lang schlagen. Allerdings bleibt Helena am Hof des Ägypterkönigs Proteus nicht unbehelligt: Theoklymenos, sein Sohn, drängt sie, ihn zu heiraten; dessen Schwester aber hilft Helena und dem schiffbrüchigen Menelaos, der zu ihr gefunden hat, den verliebten Prinzen zu überlisten und zu fliehen.
Ein durch Zauberkraft beschworenes Phantom ist Helena in Goethes Faust II, ehe sie, wiederbelebt, am Ende der klassischen Walpurgisnacht, mit Faust Hochzeit hält. Hugo von Hofmannsthal spielte im Opernlibretto für ›Die ägyptische Helena‹ von Richard Strauss (1928) mit weiteren Motiven: Menelaos befindet sich mit Helena auf der Rückfahrt von Troja; er will die Frau, um die so viel Blut geflossen ist, den Totengeistern opfern. Doch auf einer Insel vor Ägypten läßt Aithra, eine Geliebte Poseidons*, durch einen Zaubertrank die beiden alles vergessen, versetzt sie
dann in einen Palmenhain am Atlasgebirge, wo ein Araberscheich und sein Sohn ihr Glück zu stören suchen, und bringt sie nach weiteren Verwicklungen schließlich nach Sparta zurück. Ebenso geistvoll wie respektlos verulkte Jacques Offenbach in seiner Operette ›Die schöne Helena‹ (1864) die homerischen Helden; am schlimmsten kommt Menelaos weg, der, ziemlich betrunken und viel zu früh, von einer Reise zurückkehrt und Paris im Schlafzimmer seiner Frau vorfindet. Die Griechenfürsten, bei denen er sich bitter beklagt, zeigen wenig Verständnis für ihn; schließlich sei er selbst an allem schuld. Er hätte als galanter Ehemann seine Ankunft ankündigen müssen, dann wäre ihm das peinliche Erlebnis erspart geblieben.
Der ›Raub der Helena‹ war auch ein beliebtes Thema der Maler; Guido Reni hat ihn um 1630 nach dem Geschmack seiner Zeit mit prächtigen Kostümen, Amoretten, Kammermohr und Hündchen herausgeputzt (Paris, Louvre), während Hans von Marées beim gleichen Gegenstand auf Kleider völlig verzichtete (um 1883, München, Neue Pinakothek). Gavin Hamiltons Bild ›Venus verspricht Paris Helena zur Frau‹ (um 1783, Rom, Museo di Roma) verdient Erwähnung als eines der wenigen erhaltenen Großgemälde dieses bedeutenden Neoklassikers. Einst hochberühmt war die gleich den meisten Tafelgemälden aus der Antike verlorengegangene ›Helena‹, die Zeu-
xis um 400 v. Chr. für einen Tempel in Kroton malte. Als Modelle sollen ihm damals die fünf schönsten Mädchen der Stadt gedient haben (Cicero, De inventione II 1 ff.).

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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